Tipps zum Kauf von Brandschutztresoren

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Auf dem Markt sind eine Vielzahl von Brandschutztresoren verfügbar. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Prüfverfahren.

Was einem lieb und teuer ist, will man schützen. Nicht nur gegen Einbruch, sondern oft auch gegen Feuer. Oft wird davon ausgegangen, dass ein Tresor auch automatisch gegen Feuer schützt - dies ist allerdings ein Trugschluss.

Ist eine zusätzliche Feuerhemmung gewünscht, sollte deshalb auf eine Zertifizierung (z.B. ECB•S-Zertifizierung) nach einer bestimmten Norm geachtet werden. In Europa am meisten verbreitet sind "Datensicherungsschränke" nach der Europäischen Norm EN 1047-1 sowie "Leichte Brandschutzschränke" nach EN 15659.

Beide Normen bieten einen typgeprüften Feuerwiderstand mit verschiedenen Stufen (z.B. "LFS 30 P" oder "S 120 DIS"). Die Zahlen in den Stufen "30", "60" bzw. "120" geben den Zeitpunkt an, bis zu dem der Tresor auf seine Feuerhemmung untersucht worden ist. Hier ist allerdings zu beachten, dass beide Standards den Zeitpunkt sehr unterschiedlich berechnen. Während bei der EN 1047-1 sich dieser Feuerwiderstand nach dem Zeitpunkt des Löschens berechnet, geht die EN 15659 sozusagen davon aus, dass zu dem Zeitpunkt die Gegenstände aus dem Wertbehältnis herausgeholt werden. Hierdurch sind die Zeiten nach EN 1047-1 um einiges besser einzustufen als nach EN 15659.

Während bei der EN 15659 die Prüfung sofort nach 30 min bzw. 60 min eingestellt wird, wird die Temperatur bei Schränken nach EN 1047-1 noch bis zu 24 Stunden nach dem Löschen des Feuers weiter geprüft. Dies soll den "Nachheizeffekt" berücksichtigen, da nachdem das Feuer gelöscht worden ist, die Hitze im Innenraum weiter ansteigt.

Ein weiterer Vorteil von Produkten nach EN 1047-1 ist, dass diese einem "Feuerstoß und Sturztest" unterzogen werden. Der Probekörper wird aus dem Prüfofen genommen und "stürzt" danach von einer Höhe von 9,15 m nach unten. Nach dem Sturz wird der abgekühlte Probekörper wieder in den bereits erhitzten Prüfofen hineingeschoben. Mit dieser Teilprüfung wird zusätzlich zur mechanischen Belastung eine eventuelle rasche Ausbreitung des Brandes simuliert.

Vor dem Kauf eines Brandschutzproduktes sollte man zusätzlich überlegen, welche Gegenstände im Tresor gelagert werden sollen. Um Papierprodukte zu schützen sind die Klassen "LFS 30 P" und "LFS 60 P" (EN 15659) sowie "S 60 P" und "S 120 P" (EN 1047-1) geeignet. Für optische bzw. magnetische Datenträger sind die Klassen "S 60 D" und "S 120 D" (schützt Datenträger bis zu einer Temperatur von ca. 70°C und 85% Luftfeuchte, EN 1047-1) sowie "S 60 DIS" und "S 120 DIS" (schützt Datenträger bis zu einer Temperatur von ca. 50°C und 85% Luftfeuchte, EN 1047-1) entwickelt worden.

Zusätzlich gibt es sogenannte "Disketteneinsätze". Diese werden in einen "Papierschrank" nach EN 1047-1 (Temperatur von ca. 170°C) als zusätzliches Innenfach hineingesetzt. In diesem Fach können optische bzw. magnetische Datenträger gelagert werden (Temperatur bleibt unterhalb einem Wert von ca. 50°C und 85% Luftfeuchte).

Übersicht von verschiedenen Brandschutztresoren

Stufe

Feuer-
wider-
stand

Max. Temp.

Max. Feuchte

Sturztest

Nachheiz-prüfung (bis zu)

Für (Beispiel)

Leichte Brandschutzschränke nach EN 15659:

LFS 30 P

ca.

170°C

nein

nein

nein

LFS 60 P

ca.

170°C

nein

nein

nein

Datensicherungsschränke nach EN 1047-1:

S 60 P

ca.

170°C

nein

S 120 P

ca.

170°C

nein

S 60 D

ca.

70°C

max

85%

S 120 D

ca.

70°C

max

85%

S 60 DIS

ca.

50°C

max

85%

S 120 DIS

ca.

50°C

max

85%

Disketteneinsätze nach EN 1047-1:

DI 60 P/DIS

ca.

50°C

max

85%

 

DI 120 P/DIS

ca.

50°C

max

85%

 

Foto: VDMA Fachverband Sicherheitssysteme

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